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Ringelröteln

Parvovirus B19

Das humane Parvovirus B19 existiert als lineares Einzelstrang-DNA-Virus. Aus der Familie der Parvoviren stammend, erscheint es als Erreger der Ringelröteln (Erythema infectiosum). Seinen Namen verdankt das Virus der Laborprobe B19, in der Virologen es fanden. Das Parvovirus B19 – eines…

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Parvovirus B19

Das humane Parvovirus B19 existiert als lineares Einzelstrang-DNA-Virus. Aus der Familie der Parvoviren stammend, erscheint es als Erreger der Ringelröteln (Erythema infectiosum). Seinen Namen verdankt das Virus der Laborprobe B19, in der Virologen es fanden.

Das Parvovirus B19 – eines der kleinsten Viren

Mit einem Durchmesser von 20 bis 24 Nanometer zählt es zu den kleinsten bekannten Viren. Dieses Virus besitzt keine Virushülle, die Genomlänge umfasst 5.000 bis 5.500 Basenpaare. Das Vorkommen des humanen Parvovirus B19 besteht auf der ganzen Welt. Spezifische Antikörper treten in Industrieländern mit einer Häufigkeit von 50 Prozent auf. Die Übertragung der Viren erfolgt durch eine Tröpfcheninfektion und entsteht somit aerogen. Durch eine hohe Umweltstabilität überleben sie längerfristig außerhalb des Körpers.

Parvovirus Infektionen und häufige Krankheitsbilder

Das Parvovirus B19 befällt knochenmarksständige Vorläuferzellen. Dazu gehören Zellen der Erythropoese. Durch deren Beschädigung steigert sich die Wahrscheinlichkeit einer vorübergehenden Anämie. Bei Betroffenen, die an Immunschwäche leiden, führen Komplikationen im schlimmsten Fall zum Tod.

Das Risiko, während der Schwangerschaft das Ungeborene zu verlieren, erscheint hoch. Flüssigkeitsansammlungen in den Körperhöhlen (Hydrops fetalis) führen zu Schädigungen des Embryos. Die Inkubationszeit beträgt eine bis zwölf Wochen. Im Normalfall liegt sie zwischen 13 und 18 Tagen. Ein Symptom stellt der Hautausschlag (Exanthem) dar. Er tritt im Gesicht auf. Charakteristisch für den Parvovirus B19 präsentieren sich die Aussparungen dieses Ausschlags an Kinn, Nase und um die Mundpartie.

Die rote Hautirritation breitet sich auf den Streckseiten der Extremitäten aus. Dort bilden sich ringförmige, rote pathologische Hautveränderungen (Effloreszenzen). Nach sieben bis zehn Tagen heilen diese in der Regel folgenlos ab.

Symptome der Krankheit bei Kindern und Erwachsenen

Vorwiegend erkranken Kinder im Schulalter an der Erythema infectiosum. Diese als Ringelröteln bezeichnete Epidemie weist milde Symptome auf. Dem “girlandenförmigen” Exanthem folgen Juckreiz, leichtes Fieber und Rachenentzündungen. Schwangere Frauen meiden die Nähe betroffener Kinder.

Durch auftretende Komplikationen droht ihnen eine Frühgeburt oder eine vorzeitige Beendigung der Schwangerschaft (Spontanabort). Arthritiden in den Gelenken stellen eine weitere Form des Krankheitsbildes bei Erwachsenen dar. Die Entzündungen betreffen Finger-, Hand- und Sprunggelenke und schränken deren Beweglichkeit für mehrere Wochen und Monate ein.

Diagnose und Therapie bei einer Parvoviren-Infektion

Ein ELISA-Test weist das Parvovirus B19 nach. Dabei handelt es sich um ein immunologisches Verfahren, um bestimmte Moleküle in der Körperflüssigkeit zu untersuchen. Anti-B19-Antikörper der Gruppen IgM und IgG wirken gegen die Parvoviren. IgM steht für das Immunglobulin M, während IgG das Immunglobulin G bezeichnet.

Beide zählen zu den Unterklassen der Antikörper. Das Virus selbst weisen Experten mittels PCR aus dem Blut nach. Bei Schwangeren erfolgt die Entdeckung in einigen Fällen ab der 16. Schwangerschaftswoche anhand des Fruchtwassers. Eine spezielle Therapie gegen dieses Virus existiert nicht. Symptomatisch behandeln Ärzte die Infektion mit entzündungshemmenden Medikamenten. Für Patienten besteht die Möglichkeit, Immunglobulin-Präparate einzunehmen.

Geschichte der Ringelröteln und ihres Erregers

Ringelröteln nennen sich im englischen “fifth disease”. Der Name “fünfte Krankheit” leitet sich vom Bemühen der Ärzte ab dem 17. Jahrhundert ab, Kinderkrankheiten mit Hautausschlag zu systematisieren.

Der Erreger dieser fünften Krankheit blieb lange Zeit unbekannt. Erst 1974 fand die australische Virologin Yvonne Cossart im Blut eines Blutspenders Parvoviren-Partikel. Spätere Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, dass es sich um ein bis dahin unbekanntes Parvovirus handelte. Im Jahr 1981 brachten Forscher dieses neue Virus erstmals mit der Sichelzellenanämie in Zusammenhang. 1983 identifizierten sie das Parvovirus B19 als Erreger der Ringelröteln. Da tierische Parvoviren sich nicht auf den Menschen übertragen, erscheint er als erste humanpathogene Parvovirus-Form.